Der Gesamtenergieeffizienz-Faktor im Energieausweis vergleicht ein Gebäude mit einem Referenzgebäude gleicher Größe und Nutzung. Werte unter 1,0 sind besser als der Vergleichsbau, Werte darüber schlechter. Anders als der Heizwärmebedarf zählt er die gesamte Haustechnik mit, also auch Heizung, Warmwasser und Lüftung. Beide Werte gemeinsam sagen am meisten aus.
Ausführlich erklärt
Der Gesamtenergieeffizienz-Faktor, abgekürzt fGEE, ist eine Kennzahl im österreichischen Energieausweis. Er setzt den Endenergiebedarf des bewerteten Gebäudes ins Verhältnis zum Bedarf eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie und Nutzung, das nach dem Anforderungsniveau eines festgelegten Stichjahres ausgeführt wäre. Daraus ergibt sich seine Besonderheit: Der fGEE ist dimensionslos. Er wird nicht in Kilowattstunden angegeben, sondern als Verhältniszahl.
Ein Wert von 1,0 bedeutet, dass das Gebäude genauso viel benötigt wie das Referenzgebäude. Werte unter 1,0 zeigen eine bessere Effizienz an, Werte darüber eine schlechtere. Je niedriger der Wert, desto besser. Der entscheidende Unterschied zum Heizwärmebedarf liegt im Umfang.
Der Heizwärmebedarf beschreibt ausschließlich die Qualität der Gebäudehülle – Dämmung, Fenster, Kompaktheit, Luftdichtheit – und ist unabhängig davon, womit geheizt wird. Der fGEE bezieht dagegen die gesamte Haustechnik ein: Wärmeerzeugung, Verteilung, Regelung, Warmwasserbereitung, Lüftung, Hilfsenergie und den Einsatz erneuerbarer Energie. Ein Gebäude mit mäßiger Dämmung, aber einer effizienten Wärmepumpe und Photovoltaik kann daher einen besseren fGEE aufweisen als ein gut gedämmtes Haus mit veralteter Öl- oder Gasheizung. Genau darin liegt der Nutzen der Kennzahl: Sie bildet die Gesamtperformance ab und honoriert Investitionen in die Anlagentechnik, die im Heizwärmebedarf nicht sichtbar werden.
Für die Beurteilung eines Objekts sollten daher beide Werte gemeinsam gelesen werden. Ein niedriger Heizwärmebedarf bei hohem fGEE deutet auf eine ineffiziente oder fossile Haustechnik hin – dort liegt Verbesserungspotenzial mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand. Umgekehrt zeigt ein hoher Heizwärmebedarf bei gutem fGEE, dass die Anlagentechnik bereits modern ist, die Hülle aber schwach bleibt. Rechtlich ist der fGEE eine der Angaben, die nach dem Energieausweis-Vorlage-Gesetz in Inseraten anzuführen sind – gemeinsam mit dem Heizwärmebedarf.
Zudem knüpfen bautechnische Anforderungen und Förderprogramme an bestimmte Werte an, wobei die konkreten Anforderungsniveaus über die Jahre verschärft wurden und je nach Bundesland und Vorhaben variieren. Wie alle Werte im Energieausweis ist auch der fGEE ein Rechenwert. Er beruht auf einem genormten Referenzklima und standardisierten Nutzungsannahmen; der tatsächliche Verbrauch weicht regelmäßig ab. Für eine realistische Einschätzung der Betriebskosten empfiehlt sich, zusätzlich die Heizkostenabrechnungen der letzten Jahre zu erfragen.
Für Sanierungsüberlegungen ist der fGEE ein guter Ausgangspunkt, weil er zeigt, ob Hülle oder Haustechnik der schwächere Punkt ist. Daraus leitet sich die sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen ab – und damit die Frage, wo eingesetztes Geld die größte Wirkung entfaltet. Beim Vergleich zweier Objekte ist zu beachten, dass der fGEE von der Geometrie abhängt: Kompakte Gebäude schneiden günstiger ab als zergliederte, weil die Hüllfläche im Verhältnis zum Volumen kleiner ist. Ein Vergleich zwischen einem Reihenhaus und einem freistehenden Bungalow ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig.