Energie

Thermografie

ca. 2 Min. Lesezeit Stand: 03.09.2026 Immobilien-Glossar Österreich
Kurz erklärt

Die Thermografie macht mit einer Wärmebildkamera Oberflächentemperaturen sichtbar. Am Gebäude zeigt das, wo Wärme verloren geht, wo undichte Stellen sitzen und wo Feuchtigkeit steckt. Aussagekräftig sind die Bilder nur bei Kälte draußen und ohne Sonne. Sie zeigen Temperaturen, keine Dämmwerte, und brauchen eine fachliche Deutung.

Ausführlich erklärt

Thermografie macht Oberflächentemperaturen sichtbar. Eine Wärmebildkamera erfasst die von Bauteilen abgegebene Infrarotstrahlung und stellt sie als Farbbild dar. Am Gebäude dient sie dazu, Wärmeverluste, Wärmebrücken, Undichtheiten und Feuchtigkeit aufzuspüren. Typische Anwendungen sind die Beurteilung der Gebäudehülle vor einer Sanierung, die Kontrolle nach Dämmmaßnahmen, die Ortung von Leckagen im Zusammenhang mit einem Blower-Door-Test, die Suche nach dem Verlauf von Fußbodenheizungsleitungen und die Untersuchung feuchter Stellen. Aussagekräftig sind die Bilder allerdings nur unter geeigneten Bedingungen.

Erforderlich ist ein deutlicher Temperaturunterschied zwischen innen und außen – Aufnahmen erfolgen daher in der Heizperiode, idealerweise bei mehreren Grad Differenz. Direkte Sonneneinstrahlung verfälscht das Ergebnis, weshalb Außenaufnahmen in den frühen Morgenstunden oder an bedeckten Tagen erfolgen. Wind, Regen und nasse Oberflächen beeinträchtigen die Messung ebenfalls. Wesentlich ist das Verständnis dessen, was das Bild zeigt: Oberflächentemperaturen, nicht Dämmwerte. Eine warme Stelle an der Außenfassade deutet auf erhöhten Wärmeverlust hin, sagt aber nichts über die Dicke oder Qualität des Dämmstoffs.

Innenaufnahmen sind häufig aussagekräftiger, weil sie kalte Oberflächen zeigen, an denen Kondensat und in der Folge Schimmel entstehen können. Zahlreiche Fehldeutungen entstehen durch Materialunterschiede. Metall, Glas und beschichtete Oberflächen strahlen anders ab als Putz; ohne Berücksichtigung dieser Eigenschaften erscheinen sie fälschlich als auffällig. Ebenso können Verschattung, Bewuchs und kurz zuvor geöffnete Fenster das Bild verändern. Für die Auswertung ist daher Erfahrung erforderlich.

Ein Bericht sollte die Aufnahmebedingungen dokumentieren – Innen- und Außentemperatur, Witterung, Uhrzeit –, die Befunde einzeln benennen und Handlungsempfehlungen ableiten. Bilder ohne diese Einordnung sind wenig wert. Kostenseitig ist die Untersuchung überschaubar; einzelne Gemeinden und Energieberatungsstellen bieten sie gefördert oder im Rahmen von Aktionen an. Sinnvoll eingesetzt ist die Thermografie ein Diagnoseinstrument, kein Nachweis. Für den Energieausweis ist sie nicht erforderlich; für die Planung einer Sanierung liefert sie dagegen wertvolle Hinweise, welche Bauteile vorrangig zu behandeln sind.

Für Wohnungseigentümergemeinschaften kann eine Aufnahme der gesamten Fassade vor einer Sanierungsentscheidung die Diskussion versachlichen, weil sie sichtbar macht, wo tatsächlich Verluste entstehen. Für Käufer ist sie bei Verdacht auf Feuchtigkeit oder mangelhafte Dämmung ein ergänzendes Mittel im Rahmen eines Bauzustandsgutachtens. Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Aussagekraft einzelner Bilder aus Werbematerial oder aus dem Internet: Ohne Angabe der Bedingungen und ohne fachliche Einordnung sind sie nicht bewertbar. Auffällige Farbflächen entstehen häufig durch Materialunterschiede und nicht durch Wärmeverluste – etwa an Glas, Metall und beschichteten Oberflächen. Für die Beauftragung empfiehlt sich, den Zweck vorab zu benennen: Suche nach Wärmebrücken, Ortung von Leckagen oder Feuchtigkeitssuche führen zu unterschiedlichem Vorgehen und zu unterschiedlichen Aufnahmebedingungen.

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