Ein Niedrigenergiehaus braucht deutlich weniger Heizwärme als üblich gebaute Häuser. Der Begriff ist nicht gesetzlich festgelegt; aussagekräftig sind nur die Kennwerte im Energieausweis. Erreicht wird der Standard durch kompakte Bauform, gute Dämmung, dichte Hülle und effiziente Haustechnik. Heutige Neubauten in Österreich erfüllen dieses Niveau ohnehin.
Ausführlich erklärt
Als Niedrigenergiehaus bezeichnet man ein Gebäude, dessen Heizwärmebedarf deutlich unter jenem konventioneller Bauweisen liegt. Der Begriff ist nicht gesetzlich definiert; maßgeblich sind die im Energieausweis ausgewiesenen Kennwerte, insbesondere der Heizwärmebedarf in Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. Historisch beschrieb der Begriff einen freiwillig übererfüllten Standard. Durch die schrittweise Verschärfung der bautechnischen Anforderungen erreichen heutige Neubauten in Österreich ohnehin ein Niveau, das früher als Niedrigenergiehaus galt.
Der Begriff ist damit in der Vermarktung von Neubauten weitgehend zum Selbstverständlichen geworden – aussagekräftig sind allein die konkreten Kennwerte. Erreicht wird der Standard durch ein Bündel von Maßnahmen. Grundlage ist eine kompakte Gebäudeform mit günstigem Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen. Hinzu kommen eine durchgehende, wärmebrückenarme Dämmung von Außenwänden, Dach und unterster Geschoßdecke, Fenster mit guter Verglasung und gedämmten Rahmen, eine luftdichte Gebäudehülle sowie eine effiziente Haustechnik.
Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ist häufig, aber nicht zwingend. Abzugrenzen ist der Standard nach oben. Das Passivhaus erreicht deutlich niedrigere Werte und kommt weitgehend ohne konventionelles Heizsystem aus; erforderlich sind dafür eine sehr hohe Dämmqualität, eine ausgeprägt luftdichte Hülle und eine Lüftungsanlage mit hoher Wärmerückgewinnung. Das Nullenergiehaus gleicht seinen Bedarf bilanziell über eigene Erzeugung aus, das Plusenergiehaus erzeugt über das Jahr mehr, als es verbraucht – wobei die Bilanzierung über ein Jahr nichts darüber aussagt, ob Erzeugung und Verbrauch zeitlich zusammenfallen.
Zu beachten ist, dass der Heizwärmebedarf nur die Gebäudehülle beschreibt. Für die Gesamtperformance einschließlich Haustechnik und Energieträger ist der Gesamtenergieeffizienz-Faktor heranzuziehen. Ein Gebäude mit sehr guter Hülle, aber fossiler Heizung schneidet dort schlechter ab als eines mit mäßiger Hülle und effizienter Wärmepumpe. Ebenso wichtig ist der sommerliche Wärmeschutz.
Hoch gedämmte Gebäude mit großen Fensterflächen überhitzen im Sommer, wenn Verschattung, Speichermasse und Nachtlüftung nicht mitgeplant werden. Dieser Aspekt wird bei der Diskussion über Energiestandards häufig unterschätzt. Wirtschaftlich stehen höheren Errichtungskosten niedrigere Betriebskosten über die Lebensdauer gegenüber. Förderungen von Bund und Ländern knüpfen an bestimmte Kennwerte an und verbessern die Rechnung; sie sind vor Beginn der Arbeiten zu beantragen.
Für Käufer gilt: Aussagekräftig sind der Energieausweis mit Heizwärmebedarf und Gesamtenergieeffizienz-Faktor sowie – bei Bestandsobjekten – die tatsächlichen Heizkostenabrechnungen der letzten Jahre. Zu bedenken ist ferner, dass der Heizwärmebedarf stark von der Kompaktheit des Baukörpers abhängt. Ein Reihenhaus erreicht bei identischer Bauqualität bessere Werte als ein freistehender Bungalow, weil die Hüllfläche im Verhältnis zum Volumen kleiner ist. Ein Vergleich zwischen verschiedenen Gebäudetypen ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig; die bautechnischen Anforderungen tragen dem über kompaktheitsabhängige Grenzwerte Rechnung, was bei der Beurteilung eines Energieausweises zu berücksichtigen ist.