Wer in einer gemeinnützigen Mietwohnung lebt, zahlt im Durchschnitt rund 228 Euro im Monat weniger als ein Haushalt in einer vergleichbaren privaten Mietwohnung. So steht es in neuen Zwischenergebnissen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), die der Österreichische Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen am 13. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Den direkten Mietvorteil beziffert die Studie für 2025 mit insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Rechnet man die modellierten Auswirkungen auf den privaten Mietmarkt mit ein, ergibt sich rechnerisch ein Wohnkostenvorteil von rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Was die neuen WIFO-Zahlen aussagen
Verglichen werden Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen, kurz GBV, mit vergleichbaren Wohnungen gewerblicher beziehungsweise privater Anbieter. 2025 lag der bereinigte Vorteil laut WIFO im Schnitt bei 3,40 Euro je Quadratmeter und Monat. Für einen durchschnittlichen GBV-Mieterhaushalt sind das rund 228 Euro im Monat. Anders gesagt: etwa ein Viertel der Wohnkosten, die für eine vergleichbare private Mietwohnung anfallen würden.
Beliebige Inserate stellt die Studie dabei nicht einander gegenüber. Nach den bisher veröffentlichten Angaben versucht sie, Unterschiede zwischen Wohnungen und Standorten zu berücksichtigen. Das ist wichtig, denn Baualter, Größe, Lage, Ausstattung und Vertragsart beeinflussen die Miete erheblich. Eine vollständige Beschreibung der Methode und der Endbericht waren am 15. Oktober 2026 allerdings noch nicht öffentlich zugänglich. Lesen sollte man die Zahlen deshalb als Zwischenergebnisse einer Studie, die noch läuft.
Seit einer früheren WIFO-Untersuchung ist der bereinigte Abstand gewachsen. Für 2019 waren 2,20 Euro je Quadratmeter ausgewiesen worden, für 2025 sind es 3,40 Euro. Als wesentlichen Grund nennt das WIFO, dass sich die Mieten unterschiedlich entwickelt haben. Private Mieten seien wegen der hohen Inflation und des veränderten Zinsumfelds kräftig gestiegen, die Kostenmieten der Gemeinnützigen deutlich moderater.
Warum 1,9 und 2,5 Milliarden Euro genannt werden
Die beiden Milliardenbeträge messen Verschiedenes. 1,9 Milliarden Euro sind der kumulierte direkte Mietvorteil der Haushalte, die schon in gemeinnützigen Wohnungen wohnen. In der früheren Untersuchung waren dafür 1,2 Milliarden Euro errechnet worden.
In den rund 2,5 Milliarden Euro steckt zusätzlich ein modellierter Markteffekt. Laut WIFO drückt ein höherer Anteil gemeinnütziger Wohnungen auch auf die privaten Mieten. Steigt der GBV-Anteil um zehn Prozentpunkte, sollen private Mieten im Schnitt um rund 0,30 Euro je Quadratmeter niedriger liegen. Abgeleitet ist dieser Zusammenhang statistisch beziehungsweise ökonometrisch. Für ein bestimmtes Haus oder einen einzelnen Bezirk garantiert er nichts.
Suchen Sie gerade eine Wohnung, können Sie aus dem österreichweiten Durchschnitt keine konkrete Ersparnis für sich ableiten. Prüfen Sie immer den angebotenen Gesamtmietzins, die Betriebskosten, Heiz- und Energiekosten, eine etwaige Befristung, Finanzierungsbeiträge und die Regeln, nach denen Wohnungen vergeben werden. Auch eine gemeinnützige Wohnung kann je nach Baualter, Finanzierung und Ausstattung deutlich vom Durchschnitt abweichen.
In angespannten Regionen fällt der Abstand größer aus
Regional unterscheiden sich die bisher veröffentlichten Ergebnisse deutlich. In Tirol wird der Mietvorteil mit rund 5 Euro je Quadratmeter angegeben, in Wien mit 4,70 Euro, in Salzburg und Vorarlberg mit jeweils rund 4,50 Euro. In dichter besiedelten Gemeinden ist der Abstand laut Untersuchung generell höher als auf dem Land.
Besonders groß ist die Differenz auch bei jüngeren Gebäuden. Für Bauten ab 2011 nennt der Verband auf Basis der WIFO-Berechnung rund 4,50 Euro je Quadratmeter. Erklärt wird das mit dem Gegensatz zwischen vergleichsweise hohen privaten Marktmieten im Neubau und den kostendeckend kalkulierten Entgelten der Gemeinnützigen. Ob dieser Durchschnitt auf ein konkretes Projekt zutrifft, hängt trotzdem von dessen Finanzierung ab, von den Grundstückskosten, den Förderbedingungen und dem Nutzungsvertrag.
Auch Staatshaushalt und Wirtschaftsleistung wurden modelliert
Die Studie fragt außerdem, wie sich der gemeinnützige Wohnbau auf Transfers und Wirtschaftsleistung auswirken könnte. Weil die Wohnkosten niedriger sind, braucht es demnach jährlich um rund 278 bis 280 Millionen Euro weniger Wohnbeihilfe und Sozialhilfe. Zum Vergleich: Für Wohnbeihilfe werden laut Verband derzeit österreichweit etwa 300 Millionen Euro ausgegeben.
Zur Einordnung gehört auch die Gegenseite. Der Standard berichtet unter Berufung auf die WIFO-Präsentation, dass dem Staat durch die Körperschaftsteuerbefreiung der Gemeinnützigen rund 200 Millionen Euro entgehen. Für das Bruttoinlandsprodukt reicht die geschätzte Wirkung von mindestens 800 Millionen Euro, wenn man nur Preiseffekte betrachtet, bis zu rund 2,2 Milliarden Euro, wenn zusätzliche Wohnbautätigkeit und weitere indirekte Effekte einfließen.
Zustande kommen solche Beträge nicht, indem man beobachtete Rechnungen zusammenzählt. Das WIFO vergleicht die tatsächliche Lage mit Szenarien, in denen es keinen gemeinnützigen Sektor gibt. Wie das Ergebnis ausfällt, hängt also davon ab, wie dieses Gegenmodell gebaut ist und welche Wechselwirkungen einfließen. Solange der Endbericht nicht veröffentlicht ist, lassen sich Annahmen, Sensitivitäten und Unsicherheitsbereiche nicht vollständig beurteilen.
Wer die Studie beauftragt hat und was noch offen ist
In Auftrag gegeben hat die laufende Untersuchung der Österreichische Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen. Er vertritt genau den Sektor, dessen wirtschaftliche Wirkung untersucht wird, und hat ein nachvollziehbares Interesse an positiven Ergebnissen. Durchgeführt wird die Studie vom WIFO, als Studienleiter wird Michael Klien genannt. Der Standard und der ORF haben die präsentierten Ergebnisse redaktionell aufgegriffen.
Unzuverlässig werden die Zahlen durch diese Konstellation nicht automatisch. Sie verlangt aber Transparenz. Der Endbericht sollte offenlegen, mit welchen Datensätzen gearbeitet wurde, wie die Vergleichswohnungen gebildet wurden, wie der Einfluss des GBV-Anteils auf private Mieten geschätzt wurde und welche Alternativannahmen für das Szenario ohne Gemeinnützige gelten. Ebenso wichtig ist, dass gemessene Mietunterschiede klar von modellierten Folgewirkungen getrennt werden.
Was Sie aus den Ergebnissen mitnehmen können
Die neuen Zahlen sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass gemeinnützige Wohnungen für ihre Bewohnerinnen und Bewohner eine Rolle spielen und ebenso für regionale Mietmärkte. Einen individuellen Anspruch auf 228 Euro Ersparnis belegen sie aber nicht. Eine bestimmte Miethöhe in einem konkreten Projekt auch nicht.
Vergleichen Sie Wohnungen, stellen Sie die monatliche Gesamtbelastung und einmalige Beiträge einander gegenüber. Fragen Sie nach Vergabekriterien, Wartezeiten, Befristung, Heizsystem, Energiekennwert und geplanten Sanierungen. Und achten Sie darauf, wann der vollständige WIFO-Bericht erscheint. Erst dann lässt sich genauer prüfen, wie belastbar die geschätzten Markt-, Transfer- und BIP-Effekte sind. Die Zwischenergebnisse sind damit ein relevanter aktueller Befund, über die volkswirtschaftliche Gesamtwirkung aber noch nicht das letzte Wort.
Quellennachweise:
Gemeinnützige Wohnungen sind um ein Viertel günstiger als private