News 25.09.2026 4 min Lesezeit

Altes Umspannwerk in Ottakring wird zu 31 Wohnungen

Ein ehemaliges Umspannwerk aus den Jahren 1926/27 beherbergt nun 31 geförderte Mietwohnungen. Die Revitalisierung erhält die historische Straßenfassade und kombiniert Fernwärme mit Photovoltaik. Was der Projektabschluss belegt – und welche Kennzahlen fehlen.

Ö
Österreich.Immobilien Redaktion Redaktion · Oesterreich.Immobilien
Altes Umspannwerk in Ottakring wird zu 31 Wohnungen Dieses Symbolfoto ist unter Einsatz künstlicher Intelligenz entstanden.

In einem ehemaligen Umspannwerk in Wien-Ottakring sind 31 geförderte Mietwohnungen fertiggestellt worden. Das Gebäude in der Degengasse 3–5 stammt aus den Jahren 1926 und 1927. Die GWSG, ein gemeinnütziger Bauträger der Wiener Stadtwerke-Gruppe, hat die technische Infrastruktur zu Wohnraum umgebaut und die historische Straßenfassade erhalten. Am 24. September 2026 wurden die Schlüssel symbolisch an die neuen Mieterinnen und Mieter übergeben.

31 Wohnungen in einem fast 100 Jahre alten Gebäude

Das Projekt umfasst nach Angaben der Stadt Wien rund 1.884 Quadratmeter Wohnnutzfläche. Alle 31 Wohnungen verfügen über eine private Freifläche in Form eines Balkons, einer Loggia oder einer Terrasse. Zusätzlich gibt es eine begrünte Gemeinschaftsdachterrasse. Der Umbau schafft damit neuen geförderten Wohnraum nicht auf einer bislang unbebauten Fläche, sondern durch die Umnutzung eines bestehenden technischen Gebäudes.

Gerade diese Ausgangslage macht das Vorhaben redaktionell interessant. Ein ehemaliges Umspannwerk ist nicht automatisch für Wohnzwecke geeignet. Grundriss, Belichtung, Erschließung, Schallschutz, Brandschutz und Haustechnik müssen bei einer solchen Umnutzung auf die neue Verwendung abgestimmt werden. Die Originalmeldung nennt dazu keine vollständige Kosten- oder Planungsdokumentation. Sie bestätigt aber, dass die historische Straßenfassade erhalten blieb und im Inneren zeitgemäße Wohnungen entstanden.

Fernwärme, Photovoltaik und eine neue Gebäudehülle

Die Wärmeversorgung wurde auf Fernwärme umgestellt. Am Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage. Laut Projektangabe kann der Heizwärmebedarf durch die umfassenden Sanierungsmaßnahmen um rund 78 Prozent reduziert werden. Dieser Wert beschreibt den rechnerischen Bedarf des konkreten Gebäudes vor und nach der Sanierung. Er ist nicht gleichbedeutend mit einer um 78 Prozent niedrigeren gesamten Energierechnung jedes Haushalts.

Die tatsächlichen laufenden Kosten hängen unter anderem von Wohnungsgröße, Verbrauch, Tarif, Warmwasserbereitung und Haushaltsstrom ab. Auch die Photovoltaikanlage bedeutet nicht automatisch, dass jede Wohnung einen festen Anteil kostenlosen Stroms erhält. Dazu wären Angaben zur Anlagenleistung, zur Verteilung des erzeugten Stroms und zum Abrechnungsmodell erforderlich, die in der Meldung nicht genannt werden.

Dennoch zeigt das Projekt, welche Elemente bei der Sanierung eines Bestandsgebäudes zusammenspielen können: Verbesserung der Gebäudehülle, Erneuerung der Energieversorgung, lokale Stromerzeugung und Schaffung zusätzlicher Wohnqualität durch Freiflächen. Der Erhalt der Fassade bewahrt zugleich einen sichtbaren Teil der Nutzungsgeschichte des Standorts.

Was „gefördert“ bei diesem Projekt bedeutet

Die Stadt bezeichnet alle 31 Einheiten als geförderte Mietwohnungen. Damit gelten für Errichtung und Vergabe andere Rahmenbedingungen als bei frei finanzierten Wohnungen. Die konkrete Miethöhe, erforderliche Eigenmittel, Wohnungsgrößen und individuellen Zugangsvoraussetzungen führt die Pressemeldung jedoch nicht an.

Wenn Sie sich für eine geförderte Wohnung in Wien interessieren, sollten Sie deshalb nicht aus der Projektmeldung auf eine aktuelle Verfügbarkeit schließen. Die symbolische Schlüsselübergabe zeigt vielmehr, dass die Einheiten bereits bezogen oder für bestimmte Haushalte vorgesehen sind. Die Meldung enthält keine offene Bewerbungsrunde für die Degengasse.

Für andere geförderte Angebote ist die Wohnberatung Wien die zentrale Anlaufstelle. Seit dem Start der Wohnungsvergabe NEU werden Gemeinde- und geförderte Wohnungen über ein gemeinsames Wiener Wohn-Ticket zusammengeführt. Ob Sie für ein bestimmtes Angebot infrage kommen, hängt von den veröffentlichten Voraussetzungen, möglichen Einkommensgrenzen und der jeweiligen Vergabe ab.

Warum Umnutzung für den Wohnbau relevant ist

Neue Wohnungen entstehen üblicherweise durch Neubau, Dachgeschoßausbau, Aufstockung oder die Umwandlung bestehender Flächen. Bei einer Umnutzung kann ein Teil der vorhandenen Bausubstanz weiterverwendet werden. Das spart nicht automatisch Kosten oder Emissionen, weil alte Gebäude technisch anspruchsvoll sein können. Es kann aber Bodenverbrauch vermeiden und graue Energie in tragenden Bauteilen und Fassaden erhalten.

Ob ein ähnlicher Ansatz an anderen Standorten funktioniert, lässt sich aus der Degengasse nicht pauschal ableiten. Entscheidend sind Widmung, Tragwerk, Schadstoffbelastung, Tageslicht, Erschließung und wirtschaftliche Machbarkeit. Auch Denkmalschutz oder der Schutz charakteristischer Fassaden kann die Planung beeinflussen. Das Projekt ist daher eher ein konkretes Beispiel als eine allgemein übertragbare Bauanleitung.

Welche Angaben für eine vollständige Bilanz noch fehlen

Die Rathauskorrespondenz nennt Wohnungen, Wohnfläche, Energieversorgung und die Reduktion des Heizwärmebedarfs. Nicht veröffentlicht sind in der Meldung die Gesamtkosten, die Höhe der öffentlichen Förderung, der Endenergiebedarf nach Sanierung, die Leistung der Photovoltaikanlage und ein Vergleich der grauen Emissionen mit einem Neubau. Ohne diese Werte ist eine umfassende wirtschaftliche und ökologische Bewertung nicht möglich.

Gesichert ist der aktuelle Projektabschluss: In einem fast 100 Jahre alten technischen Bestandsgebäude wurden 31 geförderte Wohnungen geschaffen. Für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner zählen nun vor allem die tatsächliche Wohnqualität und die laufenden Kosten im Betrieb. Für Stadtplanung und Wohnbau liefert die Degengasse ein anschauliches Beispiel dafür, dass auch ungewöhnliche Bestandsgebäude Teil der Wohnraumentwicklung sein können.



Alle News