News 17.09.2026 4 min Lesezeit

Immobilienkäufe in Österreich steigen im ersten Halbjahr

Die Zahl der verbücherten Immobilienkäufe ist im ersten Halbjahr kräftig gestiegen. Der Markt ist wieder aktiver, doch Stichtagseffekt, Datenbasis und regionale Unterschiede verlangen eine nüchterne Einordnung.

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Österreich.Immobilien Redaktion Redaktion · Oesterreich.Immobilien
Immobilienkäufe in Österreich steigen im ersten Halbjahr Dieses Symbolfoto ist unter Einsatz künstlicher Intelligenz entstanden.

In Österreich wurden im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Immobilien im Grundbuch verbüchert als ein Jahr zuvor. Der am 16. September veröffentlichte REMAX-ImmoSpiegel weist 66.591 Verbücherungen aus. Das entspricht einem Plus von 22,3 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 und liegt 6,1 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Auch der nominelle Transaktionswert legte zu und erreichte 19,59 Milliarden Euro.

Mehr Käufe in allen neun Bundesländern

Die Auswertung meldet für jedes Bundesland ein Mengenwachstum. Prozentuell am stärksten stieg die Zahl der Verbücherungen in der Steiermark mit 29,4 Prozent, gefolgt von Tirol mit 29,0 Prozent und Vorarlberg mit 28,1 Prozent. In absoluten Zahlen verzeichnete Niederösterreich den größten Zuwachs: 2.587 zusätzliche Verbücherungen führten dort zu insgesamt 13.975 Kaufakten.

Wien blieb mit 11.114 Transaktionen der zweitgrößte Markt nach Niederösterreich, wies mit 12,9 Prozent aber den geringsten prozentuellen Zuwachs auf. Solche Wachstumsraten sollten Sie stets zusammen mit der Ausgangsbasis lesen. Ein starkes Prozentplus kann auf ein schwaches Vergleichshalbjahr folgen, während ein großer Markt trotz niedrigerer Rate in absoluten Zahlen kräftig zulegt.

Beim Transaktionswert erreichte Wien 5,41 Milliarden Euro und blieb damit das umsatzstärkste Bundesland. Dahinter folgten Niederösterreich mit 2,89 Milliarden Euro, Oberösterreich mit 2,49 Milliarden Euro und die Steiermark mit 2,44 Milliarden Euro. Österreichweit lag der Wert von 19,59 Milliarden Euro um 27,9 Prozent oder 4,27 Milliarden Euro über dem Vorjahreszeitraum. Diese Beträge sind nicht inflationsbereinigt.

Was eine Verbücherung tatsächlich zeigt

Die Zahlen beruhen laut REMAX auf der Kaufpreissammlung von IMMOunited. Dafür werden Immobilien-Kaufverträge ausgewertet, die im amtlichen Grundbuch verbüchert wurden. Das ist eine breite Transaktionsbasis, aber keine Echtzeitmessung neu unterschriebener Verträge. Zwischen Kaufvertragsabschluss, Einreichung und tatsächlicher Eintragung kann Zeit vergehen. Das erste Halbjahr der Verbücherung muss daher nicht exakt dem ersten Halbjahr der Kaufentscheidung entsprechen.

Außerdem sagt die Zahl der Verkäufe allein noch nichts darüber aus, ob Immobilien für einzelne Haushalte leichter finanzierbar geworden sind. Kaufpreis, Eigenmittel, Kreditzins, Nebenkosten und Zustand des Objekts entscheiden weiterhin über die Leistbarkeit. Ein wachsender Gesamtumsatz ist ebenfalls nicht automatisch gleichbedeutend mit einem flächendeckenden Preisanstieg, weil sich die Zusammensetzung der verkauften Objekte verändern kann.

Gebührenbefreiung dürfte Käufe vorgezogen haben

REMAX führt den Anstieg unter anderem auf Nachholeffekte, eine Gewöhnung an das Zinsniveau und das Auslaufen der befristeten Gebührenbefreiung für bestimmte Eintragungen von Eigentum und Pfandrechten zurück. Der Standard verweist dazu auf auffällig viele Grundbuchanträge im Juni. Damit ist plausibel, dass ein Teil der Aktivität zeitlich vorgezogen wurde. Wie groß dieser Effekt genau war, lässt sich aus der Halbjahressumme allein jedoch nicht ablesen.

Für die zweite Jahreshälfte ist deshalb Vorsicht bei Fortschreibungen angebracht. Wenn ein Stichtag Abschlüsse oder Anträge bündelt, kann der Zeitraum danach schwächer aussehen, ohne dass sich der grundlegende Wohnbedarf im selben Ausmaß verändert hat. Gleichzeitig wirken Finanzierungskosten, verfügbare Einkommen und das Neubauangebot weiter auf den Markt. Die veröffentlichten Daten beschreiben den Handel, nicht die gesamte Nachfrage oder das gesamte Angebot.

Regionale Unterschiede bleiben groß

Auf Bezirksebene führte Graz die Auswertung mit 3.045 Verbücherungen an. Danach folgten Baden mit 1.449, Graz-Umgebung mit 1.428, Wien-Donaustadt mit 1.395 und der Salzburger Flachgau mit 1.392 Transaktionen. Die Ballungsräume und ihr Umland spielen damit eine zentrale Rolle, doch aus einer Rangfolge nach Stückzahl lässt sich keine Aussage über die individuelle Attraktivität oder Preiswürdigkeit einer Lage ableiten.

ORF Steiermark griff die regionalen Ergebnisse unabhängig auf und bestätigte für die Steiermark sowohl den Mengenanstieg als auch den neuen Umsatzwert von 2,44 Milliarden Euro. Der Standard berichtete über die bundesweiten Eckdaten und ordnete die Gebührenbefreiung ein. Beide Berichte stützen die Wiedergabe der Zahlen, ersetzen aber nicht den Hinweis auf den Absender: REMAX ist ein Maklernetzwerk und hat ein wirtschaftliches Interesse an einem aktiven Immobilienmarkt.

Was Kaufende und Verkaufende daraus ableiten können

Wenn Sie kaufen möchten, bedeutet die höhere Zahl der Verbücherungen vor allem, dass der Markt wieder liquider geworden ist. Sie ist kein Grund, auf Objektprüfung, Finanzierungsvergleich oder Preisverhandlung zu verzichten. Prüfen Sie neben dem Kaufpreis insbesondere Rücklagen, Sanierungsbedarf, Energiezustand, Grundbuch, Betriebskosten und die langfristige Tragbarkeit des Kredits.

Wenn Sie verkaufen, liefert der bundesweite Aufschwung einen Marktindikator, aber keine automatische Preisgarantie. Bundesland, Bezirk, Mikrolage, Nutzungsart und Zustand bleiben entscheidend. Aussagekräftiger als eine Österreich-Summe sind aktuelle, tatsächlich verbücherte Vergleichsfälle für ein ähnliches Objekt. Der ImmoSpiegel zeigt somit eine klare Erholung der Transaktionsaktivität, aber keinen gleichförmigen Markt und keine sichere Prognose für die kommenden Monate.



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