News 29.09.2026 5 min Lesezeit

Bauwirtschaftsradar: Stimmung besser, Neubau schwach

Die Stimmung in der Bauwirtschaft hellt sich auf, doch Neubaugenehmigungen, Kosten und Auftragseingänge sprechen noch nicht für eine breite Trendwende. Das neue WKNÖ-Bauwirtschaftsradar bündelt die Signale – mit wichtigen methodischen Grenzen.

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Österreich.Immobilien Redaktion Redaktion · Oesterreich.Immobilien
Bauwirtschaftsradar: Stimmung besser, Neubau schwach

Das neue Bauwirtschaftsradar der Wirtschaftskammer Niederösterreich und des Economica Instituts zeigt für das dritte Quartal 2026 ein widersprüchliches Bild: Die Stimmung in der Bauwirtschaft hat sich aufgehellt, die tatsächlichen Indikatoren bleiben jedoch schwach. Baupreise und Baukosten sind gestiegen, Genehmigungen für Neubauwohnungen liegen unter dem Vorjahresniveau und die Auftragseingänge im Bau waren zuletzt rückläufig. Für Sie als Bauherrin, Bauherr oder Immobilienverantwortliche ist deshalb weniger der Stimmungswert als die Kombination aus Kosten, Genehmigungen und Auftragslage entscheidend.

Was das Bauwirtschaftsradar neu berichtet

Der am 28. September 2026 aktualisierte Bericht wurde vom Economica Institut im Auftrag der Wirtschaftskammer Niederösterreich erstellt. Er bündelt zwölf Indikatoren für Österreich und Niederösterreich. Die WKNÖ vertritt wirtschaftspolitische Interessen ihrer Mitgliedsbetriebe; ihre Forderungen nach Entlastung und Investitionsanreizen sind daher als Position der Auftraggeberin zu lesen. Die verwendeten Konjunkturdaten stammen überwiegend aus amtlichen Statistiken und europäischen Unternehmensbefragungen.

Laut Bericht verbesserte sich die Stimmung in der österreichischen Wirtschaft seit Juni um 6,1 Punkte. Der Stimmungswert der Bauwirtschaft lag im Sommer bei minus 13,3 und damit so hoch wie seit Herbst 2024 nicht mehr. Ein negativer Saldo bedeutet dennoch, dass pessimistische Einschätzungen weiterhin überwiegen. Der Indikator ist kein Maß für Umsatz, Wohnungsproduktion oder Auslastung, sondern fasst Antworten zu Auftragsbestand und Beschäftigungserwartungen zusammen.

Baupreise bleiben ein Belastungsfaktor

Beim Baupreisindex für Hoch- und Tiefbau weist Statistik Austria für das zweite Quartal 2026 einen Stand von 104,9 Punkten aus. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 entspricht das einem Plus von 4,9 Prozent, gegenüber dem Vorquartal einem Anstieg von 3,1 Prozent. Im Tiefbau lag die Jahresteuerung mit 7,0 Prozent deutlich höher; beim Wohnhaus- und Siedlungsbau betrug der Vorjahresanstieg 3,6 Prozent.

Baupreise sind die Preise, die Bauherrinnen und Bauherren für Bauleistungen bezahlen. Sie sind nicht mit Baukosten gleichzusetzen. Der Baukostenindex bildet Material-, Lohn-, Energie-, Transport- und Maschineneinsatz auf Seiten der Unternehmen ab. Das Bauwirtschaftsradar meldet seit Jahresbeginn einen Kostenanstieg von 4,4 Prozent. Für Ihre Kalkulation sollten Sie deshalb genau prüfen, auf welchen Index eine Preisgleitklausel verweist und welcher Berichtsmonat maßgeblich ist.

Aus dem Index lässt sich keine pauschale Verteuerung Ihres konkreten Projekts ableiten. Gebäudetyp, Region, Leistungsumfang, Ausschreibungszeitpunkt, Materialwahl und Vertragsmodell können erheblich abweichen. Der Index liefert eine Marktorientierung, ersetzt aber keine aktuelle Kostenschätzung und keine Prüfung der Vertragsklauseln.

Neubaugenehmigungen bleiben auf niedrigem Niveau

Für das erste Quartal 2026 weist Statistik Austria insgesamt 11.804 bewilligte Wohnungen aus, einschließlich An-, Auf- und Umbauten. Das waren 7,7 Prozent weniger als im ersten Quartal 2025. Bei Wohnungen in neuen Gebäuden ergibt sich aus den veröffentlichten Teilwerten ein Rückgang um rund 8,6 Prozent. Besonders deutlich sank die Zahl der Wohnungen in neuen Wohngebäuden mit mindestens drei Einheiten: von 5.996 auf 4.968.

Mehr Bewilligungen gab es hingegen bei neuen Wohngebäuden mit ein oder zwei Wohnungen: Die Zahl stieg von 2.475 auf 2.718. Damit verläuft die Entwicklung je nach Segment unterschiedlich. Wenn Sie den künftigen Wohnungsbau beurteilen, sollten Sie nicht nur auf die Gesamtzahl neuer Gebäude schauen. Ein Mehrfamilienhaus kann wesentlich mehr Wohnungen schaffen als ein Ein- oder Zweifamilienhaus.

Das WKNÖ-Radar beschreibt An-, Auf- und Umbauten anhand einer enger abgegrenzten Reihe als positiv. Auf der aktuellen Übersichtsseite von Statistik Austria stehen für bewilligte Wohnungen durch An-, Auf- und Umbautätigkeit jedoch 4.002 Einheiten nach 4.253 im Vorjahresquartal. Die Abweichung zeigt, wie wichtig Definition, Datenabzug und Einheit der jeweiligen Reihe sind. Für Ihre Marktentscheidung sollten Sie daher die Originaltabelle heranziehen und nicht unterschiedliche Kategorien miteinander vergleichen.

Auftragseingänge haben sich wieder abgeschwächt

Beim Auftragseingangsindex berichtet das Radar für den Bau im Juli 2026 ein Minus von 10,6 Prozent gegenüber Juli 2025. Inlandsaufträge gingen laut Bericht um 9,1 Prozent zurück, Auslandsaufträge um 29,2 Prozent. Auf Quartalssicht lag das Minus bei 2,3 Prozent. Hochbau und Tiefbau entwickelten sich mit minus 2,6 beziehungsweise minus 6,3 Prozent schwächer; vorbereitende Baustellenarbeiten lagen geringfügig im Plus.

Der Auftragseingangsindex ist nominell und kann durch Preiseffekte sowie größere Einzelaufträge beeinflusst werden. Ein Rückgang bedeutet nicht automatisch, dass Bauunternehmen kurzfristig überall freie Kapazitäten haben oder Angebote billiger werden. Region, Gewerk, Betriebsgröße und bestehender Auftragsbestand bestimmen weiterhin, wie rasch Sie Anbieter finden und welche Preise angeboten werden.

Was die Zahlen für Ihr Vorhaben bedeuten

Wenn Sie zwischen einem Bestandsobjekt und einem eigenen Neubau abwägen, hilft der Ratgeber Bauen oder kaufen, Kosten, Zeit und Projektrisiken auf derselben Grundlage zu vergleichen.

Für die finanzielle Größenordnung können Sie anschließend Ihr Kaufbudget ermitteln; das Ergebnis ist eine erste Orientierung und ersetzt kein individuell geprüftes Finanzierungsangebot.

  1. Wenn Sie neu bauen, kalkulieren Sie weiterhin mit schwankenden Preisen und vergleichen Sie Leistungsbeschreibungen statt nur Angebotssummen.
  2. Wenn Sie sanieren oder umbauen, prüfen Sie die amtliche Baubewilligungsreihe für Ihr Segment und Ihre Region; bundesweite Summen sind nur ein grober Rahmen.
  3. Bei indexgebundenen Verträgen sollten Sie Baupreis- und Baukostenindex auseinanderhalten und den vereinbarten Basiswert dokumentieren.
  4. Eine bessere Branchenstimmung ist noch keine Trendwende bei Wohnungsproduktion oder Aufträgen.
  5. Für Finanzierungs- und Terminentscheidungen benötigen Sie aktuelle Projektangebote, Förderbedingungen und Genehmigungsfristen.

Die nüchterne Einordnung

Das Radar liefert einen aktuellen Sammelpunkt für mehrere Konjunktursignale, aber keine eigene Prognose für Immobilienpreise oder Baukosten Ihres Projekts. Die Interessenlage der WKNÖ ist transparent: Sie nutzt die Zahlen, um Investitionsanreize, Entlastungen und weniger Bürokratie zu fordern. Diese Forderungen sind von den gemessenen Indikatoren zu trennen.

Für den Wohnbau bleibt die zentrale Aussage dennoch belastbar: Die Stimmung hat sich verbessert, während Neubaugenehmigungen und jüngste Auftragseingänge keine breite Erholung bestätigen. Wenn Sie bauen oder sanieren wollen, sollten Sie die Aufhellung daher als mögliches Frühzeichen beobachten, aber Kosten, Finanzierung und Kapazitäten weiterhin konservativ planen.


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