Für das Stadtentwicklungsgebiet „Am Heidjöchl“ in der Wiener Donaustadt liegt ein weiterentwickeltes städtebauliches Leitbild vor. Nach Angaben der Stadt Wien sind auf rund 39 Hektar 5.200 Wohnungen für etwa 11.800 Menschen vorgesehen. Zwei Drittel des Wohnbaus sollen gefördert errichtet werden. Das Leitbild soll der Stadtentwicklungskommission vorgelegt werden; erste Gebäude werden frühestens ab 2030 erwartet.
Leitbild ist ein Meilenstein, aber noch keine Baubewilligung
Die neue Veröffentlichung vom 16. September 2026 markiert einen wichtigen Planungsschritt. Sie legt Grundzüge für Bebauung, Freiraum, Mobilität und soziale Infrastruktur fest. Eine unmittelbar bevorstehende Wohnungsvergabe oder ein fixer Baustart lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Nach der angekündigten Beschlussfassung in der Stadtentwicklungskommission folgen die Ausarbeitung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans, eine Umweltverträglichkeitsprüfung sowie Detailplanungen für Parks, Schulen und Straßen.
Die Beschlussfassung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans ist laut Stadt etappenweise ab 2027 oder 2028 vorgesehen. Erst danach können konkrete Bauprojekte in weiteren Verfahren Gestalt annehmen. Für Wohnungssuchende ist das Projekt deshalb vor allem als mittelfristiger Beitrag zum Wiener Wohnungsangebot relevant. Angaben zu einzelnen Bauträgern, Wohnungstypen, Mieten, Kaufpreisen oder Vergabeterminen liegen derzeit nicht vor.
5.200 Wohnungen und zwei Drittel geförderter Wohnbau
Die Größenordnung ist für den Wiener Wohnungsmarkt beachtlich. Von den angekündigten 5.200 Wohneinheiten sollen rund zwei Drittel gefördert werden. „Gefördert“ beschreibt dabei zunächst die vorgesehene wohnungspolitische Struktur des Quartiers. Welche konkreten Fördermodelle, Eigenmittel, laufenden Kosten oder Zugangsbedingungen später gelten, wird erst mit den jeweiligen Projekten und Vergabeverfahren feststehen.
Neben Wohnungen nennt das Leitbild drei Kindergärten, einen Bildungscampus, eine allgemeinbildende höhere Schule und ein Gesundheitszentrum. Alltägliche Angebote sollen in kurzen Distanzen erreichbar sein. Die Stadt beschreibt das Quartier nach einem Prinzip, bei dem täglicher Bedarf ungefähr in fünf Minuten, quartiersweite Einrichtungen in zehn Minuten sowie U- und S-Bahn in rund 15 Gehminuten erreichbar sein sollen. Ob diese Ziele im späteren Betrieb erreicht werden, hängt von der tatsächlichen Umsetzung und Nutzungsmischung ab.
Ein Viertel der Fläche für Grün und Erholung
Rund zehn Hektar sind als öffentliche Park- und Grünflächen angekündigt. Etwa fünf Hektar sollen direkt im Gebiet liegen, weitere Flächen im „Park der Artenvielfalt“. Das Freiraumkonzept sieht ein zusammenhängendes Netz aus naturnahen Bereichen, begrünten Wegen, Plätzen und gemeinschaftlichen Wohnhöfen vor. Ein teilweise bewaldeter Grünzug südlich der Siedlung Pfalzgasse soll als Stadtwildnis erhalten und behutsam für Erholung zugänglich gemacht werden.
Bereits im November 2026 will die Stadt an der Pfalzgasse auf rund 2.200 Quadratmetern mehr als 50 Obstbäume pflanzen. Dadurch sollen Bäume vor dem eigentlichen Hochbau wachsen können. Für Klimaanpassung sind außerdem Schatten, versickerungsfähige Flächen, Regenwasserrückhalt, begrünte Gebäude und eine auf Durchlüftung ausgerichtete Anordnung vorgesehen. Diese Qualitäten sind Planungsziele; ihre konkrete Wirkung wird erst anhand der Detailplanung und der Umweltprüfung beurteilbar.
Öffentlicher Verkehr soll vor den Wohnungen da sein
Das Gebiet liegt entlang der verlängerten U2 in der Donaustadt. Genannt werden zwei U-Bahn-Stationen, eine S-Bahn-Station sowie die Straßenbahnlinien 26 und 27. Zwei Haltestellen der Linie 27 sollen direkt im Gebiet liegen. Nach Darstellung der Stadt ist die Linie bereits vor dem Einzug der ersten Bewohnerinnen und Bewohner in Betrieb. Fuß- und Radwege sowie mehrere gebündelte Mobilitätsangebote sollen den öffentlichen Verkehr ergänzen.
Für Sie als spätere Wohnungssuchende ist die frühe Verkehrsanbindung ein wichtiges Signal, aber noch keine Garantie für die Wegequalität jeder künftigen Adresse. Entscheidend werden Lage des einzelnen Bauplatzes, Zugänge, Taktung, Barrierefreiheit und die Verbindung zu Nahversorgung und Schulen sein. Diese Details können sich im weiteren Verfahren präzisieren.
Biodiversität bleibt Teil des Prüfprogramms
Im bisherigen Beteiligungs- und Planungsprozess wurden nach Angaben der Stadt 185 Pflanzen- und Tierarten dokumentiert. Vorgesehen sind der Erhalt bestehender Biotope, artenreiche Wiesen, begrünte Dächer sowie Nist- und Rückzugsangebote. Als Beispiele nennt die Stadt Lebensräume für Schmetterlinge, Haubenlerche und Zauneidechse. Die geplante Umweltverträglichkeitsprüfung ist deshalb mehr als eine Formalität: Sie muss mögliche Auswirkungen des Gesamtvorhabens systematisch untersuchen.
Ausgangspunkt des Leitbilds war das Konzept „The park that reaches every home“ des Planungsteams Paloma Mosto Zavala und Samuel Llovet Montardit. Seit Mai 2025 wurde es mit Fachleuten und Beteiligungsformaten weiterentwickelt. Für Interessierte ist am 24. September 2026 von 16:00 bis 19:00 Uhr eine kostenlose Info-Ausstellung am Campus Berresgasse angekündigt. Dort sollen Inhalte des Leitbilds sowie der weitere Prozess vorgestellt werden.
Worauf Sie in den nächsten Jahren achten sollten
Der nächste belastbare Fortschritt ist nicht eine Vermarktungsanzeige, sondern der formale Planungsweg. Relevant werden der Beschluss der Stadtentwicklungskommission, die Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung, die Flächenwidmung und später die Auswahl der Bauträger. Erst dann lassen sich Aussagen zu Bauetappen, geförderten Angeboten und tatsächlichen Bezugsterminen genauer prüfen. Das Leitbild schafft einen Rahmen für ein großes neues Quartier, bleibt aber bewusst ein früher Rahmen und kein fertiges Bauversprechen.