Auf einmal ist es dunkel, der Router ist aus, und der Kühlschrank brummt auch nicht mehr. Statt jetzt wahllos an Schaltern zu drehen, klären Sie besser zuerst, wie weit der Ausfall reicht: nur Ihre Wohnung, das ganze Haus oder auch die Nachbarschaft? Davon hängt ab, ob Sie selbst gefahrlos etwas prüfen können, ob der Netzbetreiber zuständig ist oder ob eine Elektrofachkraft kommen muss.
Zuerst klären: Wo fehlt der Strom?
Holen Sie eine Taschenlampe oder nehmen Sie das Licht am Handy und schauen Sie sich zuerst nach Gefahren um. Liegen Kabel im Wasser, riecht es verschmort, sehen Sie Funken oder Rauch, dann fassen Sie weder Geräte noch den Sicherungskasten an. Brennt es oder raucht es, verlassen Sie den Bereich und rufen die Feuerwehr unter 122. Fehlt nur der Strom und gibt es keine solchen Anzeichen, ist das in aller Regel kein Fall für Feuerwehr oder Rettung.
Ein Blick aus dem Fenster hilft weiter. Ist bei den Nachbarn, im Stiegenhaus oder auf der Straße noch Licht? Wenn es geht, fragen Sie kurz nebenan nach. Sind mehrere Wohnungen oder ganze Straßenzüge dunkel, liegt die Ursache wahrscheinlich im öffentlichen Netz. Ist es nur bei Ihnen finster, steckt der Fehler eher in der Wohnung oder in der Hausinstallation.
Auch die Regulierungsbehörde E-Control unterscheidet so: Liegt die Störung vor dem Zähler, betrifft sie das Netz, liegt sie dahinter, die Hausinstallation. Sicher feststellen lässt sich das mit einem Blick aus dem Fenster allerdings nicht.
Nur Ihre Wohnung ist betroffen: Geräte ausschalten, dann prüfen
Schalten Sie die Geräte aus, die kurz vor dem Ausfall gelaufen sind, oder ziehen Sie den Stecker, wenn das gefahrlos geht. Das können etwa Wasserkocher, Heizlüfter, Backrohr, Waschmaschine oder mehrere Küchengeräte gleichzeitig gewesen sein. Ein kaputtes Gerät oder eine Überlastung kann den Leitungsschutzschalter ausgelöst haben.
Danach schauen Sie bei gutem Licht in den Sicherungskasten. Ist ein Schalter sichtlich herausgesprungen, schalten Sie ihn erst wieder ein, wenn die verdächtigen Geräte aus sind. Fliegt er sofort oder nach kurzer Zeit wieder heraus, versuchen Sie es nicht noch einmal, sondern lassen eine Elektrofachkraft nach der Ursache suchen. Das gilt auch, wenn Sie keinen ausgelösten Schalter finden, wenn Teile der Wohnung weiter ohne Strom bleiben oder wenn Sie aus dem Verteiler nicht schlau werden.
Leitungen, Steckdosen und das Innere des Verteilers sind für Laien tabu. Bei Feuchtigkeit, Hitze, verfärbten Steckdosen, Knistern oder Schmorgeruch hören Sie sofort auf. Wohnen Sie zur Miete und könnte die Hausinstallation betroffen sein, sagen Sie außerdem der Vermieterin, dem Vermieter oder der Hausverwaltung Bescheid.
Bei einer Netzstörung ist der Netzbetreiber zuständig
Fällt das öffentliche Netz aus, ist der örtliche Netzbetreiber Ihr Ansprechpartner. Viele denken zuerst an ihren Stromlieferanten, den man frei wählen kann, für Netz, Anschluss, Zähler und die Behebung von Störungen ist aber der Netzbetreiber zuständig, und welcher das ist, hängt von Ihrer Adresse ab. Seine Kontaktdaten stehen auf der Stromrechnung, und viele Netzbetreiber haben eine Störungsseite oder eine eigene Hotline. Halten Sie Ihre Adresse bereit und, wenn Sie sie zur Hand haben, Zählpunkt- oder Kundennummer. Ist eine größere Störung schon bekannt, reicht es meist, die veröffentlichten Informationen abzuwarten. Geplante Abschaltungen kündigt der Netzbetreiber vorher an.
Rufen Sie wegen eines Stromausfalls nicht unnötig bei Einsatzorganisationen an. Die Notrufnummern sind für Brände, medizinische Notfälle und andere akute Gefahren da, nicht für die Frage, wie lange eine gewöhnliche Netzstörung dauert. Steckt jemand im Aufzug fest, verständigen Sie den Aufzugsnotruf; die Türen sollten Sie nicht selbst aufzwängen.
Was Sie während des Ausfalls in der Wohnung tun sollten
- Nehmen Sie Taschen- oder Stirnlampen statt Kerzen. Offenes Feuer ist im ungewohnten Dunkel eine echte Brandgefahr.
- Schalten Sie Herdplatten, Bügeleisen und andere Wärmegeräte aus und stecken Sie empfindliche Elektronik ab, wenn Sie gut an die Stecker herankommen. Lassen Sie eine Lampe eingeschaltet, dann merken Sie, wann der Strom wieder da ist.
- Öffnen Sie Kühl- und Gefrierschrank so selten und so kurz wie möglich, denn jedes Öffnen lässt Wärme hinein.
- Sparen Sie Akku: Display dunkler stellen, unnötige Apps schließen und das Handy nur für Informationen und wichtige Anrufe nutzen.
- Denken Sie an Menschen, die Hilfe brauchen. Klären Sie früh, wie stromabhängige medizinische Geräte versorgt werden und an welche Stelle man sich dafür wendet. Besteht akute Gefahr für die Gesundheit, wählen Sie 144.
Campingkocher, Holzkohlegriller oder ein Notstromaggregat mit Benzin oder Diesel haben in Wohnräumen, Kellern und Garagen nichts verloren. Beim Verbrennen kann Kohlenmonoxid entstehen, und das ist lebensgefährlich. Ein Aggregat darf nur über eine eigens dafür vorgesehene, fachgerecht errichtete Anlage ins Hausnetz einspeisen.
Kühlschrank und Tiefkühler nach dem Ausfall
Nach Empfehlung der AGES gehören leicht verderbliche Lebensmittel durchgehend gekühlt, im Kühlschrank bei 1 bis 5 Grad Celsius. Wie viele Stunden ein Kühlschrank bei Stromausfall sicher durchhält, lässt sich daraus nicht für jeden Haushalt ableiten. Das hängt vom Gerät ab, davon, wie voll es ist, wie kalt es vorher war, wie warm der Raum ist und wie oft die Tür aufging.
Lassen Sie die Türen zu und messen Sie, wenn möglich, nach dem Ausfall die Temperatur nach. Leicht verderbliche Lebensmittel, die deutlich warm geworden sind oder bei denen Sie nicht sicher sagen können, ob die Kühlkette gehalten hat, essen Sie besser nicht mehr. Ob krankmachende Keime drin sind, sieht und riecht man nicht verlässlich. Bei Säuglingen, Schwangeren, älteren oder immungeschwächten Menschen sollten Sie besonders vorsichtig sein.
Gefriergut, das noch hart gefroren ist und Eiskristalle hat, ist anders zu beurteilen als Ware, die schon ganz aufgetaut und warm ist. Bei einzelnen Produkten helfen die Lagerhinweise des Herstellers oder eine fachliche Auskunft mehr als eine Faustregel.
Ein lokaler Stromausfall ist noch kein Blackout
Von einem Blackout spricht man, wenn das überregionale Stromnetz großflächig und länger ausfällt. Ist nur Ihre Wohnung, Ihr Haus oder ein begrenztes Viertel dunkel und funktionieren Telefon, Internet oder Radio noch, deutet nichts darauf hin. Ein kaputter Heizlüfter ist dann eben nur ein kaputter Heizlüfter.
Breitet sich der Ausfall aber sichtlich aus oder fallen Telefon und Internet weg, schalten Sie ein Batterie- oder Kurbelradio ein und richten sich nach den Informationen der Behörden. Schalten Sie Geräte, die Sie nicht brauchen, aus oder ziehen Sie den Stecker, damit nicht alles auf einmal anläuft, wenn der Strom zurückkommt.
Mit wenig Aufwand auf den nächsten Ausfall vorbereitet sein
Ein paar Dinge an der richtigen Stelle ersparen im Dunkeln viel Sucherei. Legen Sie eine Taschen- oder Stirnlampe samt Reservebatterien an einen festen Platz, an den Sie leicht herankommen. Dazu eine geladene Powerbank, ein Radio, das ohne Steckdose läuft, und die Störungsnummer des Netzbetreibers auf Papier. Batterien und Powerbank prüfen Sie am besten regelmäßig, etwa gleich mit den Rauchmeldern.
Für einen längeren Ausfall empfiehlt das Innenministerium, im Haushalt mehr vorzusorgen, mit Wasser, haltbaren Lebensmitteln, Medikamenten und allem, was Sie persönlich brauchen. Richten Sie das nach Kindern, Haustieren, Pflegebedarf und der Technik in Ihrer Wohnung aus. Auf einen Tiefkühlvorrat können Sie sich im Krisenfall nicht verlassen, weil er selbst Strom braucht.
Auch in der Wohnung selbst lässt sich vorbauen. Freie Wege, bekannte Absperrstellen und ein Sicherungskasten, an den man herankommt, helfen bei vielen Störungen. Mehr zum saisonalen Durchchecken steht im Ratgeber zum Vorbereiten von Haus und Wohnung auf Herbst und Winter.
Wenn der Strom wieder da ist
Schalten Sie große Verbraucher nicht alle auf einmal ein. Achten Sie zuerst darauf, ob es verschmort riecht, ein Gerät seltsame Geräusche macht oder eine Sicherung wieder herausfliegt. Uhren, Heizungssteuerung und andere Geräte mit Zeiteinstellung müssen Sie unter Umständen neu einstellen. Kühlgeräte und stromabhängige Hilfsmittel kontrollieren Sie sofort.
Fällt der Strom wieder aus, schreiben Sie auf, wann das war, welche Räume betroffen waren und welche Geräte vorher liefen. Damit kann die Elektrofachkraft oder die Hausverwaltung die Ursache schneller eingrenzen. War es nur ein einmaliger Ausfall im Netz und ist danach alles normal, muss in der Wohnung nichts repariert werden.
Quellennachweise (stand Oktober 2026):
E-Control: Strom- und Gasnetze in Österreich
oesterreich.gv.at / Bundesministerium für Inneres: Verhalten bei Blackout