Author: Österreich.Immobilien Redaktion
Veröffentlicht am 04.09.2026

Immobilie gefunden: Diese Unterlagen solltest du vor dem Kauf prüfen

Immobilie gefunden: Diese Unterlagen solltest du vor dem Kauf prüfen
9 min Lesezeit

Die passende Immobilie ist gefunden, die Lage stimmt und auch bei der Besichtigung hat vieles überzeugt. Gerade jetzt ist die Versuchung groß, möglichst schnell ein Kaufanbot zu unterschreiben. Doch bevor du dich festlegst, solltest du nicht nur das Haus oder die Wohnung selbst prüfen. Mindestens ebenso wichtig sind die dazugehörigen Unterlagen.

Sie zeigen dir, wem die Immobilie tatsächlich gehört, welche Rechte und Belastungen bestehen, ob Umbauten bewilligt wurden und welche Kosten nach dem Kauf auf dich zukommen könnten. Manche Probleme lassen sich bei einer Besichtigung kaum erkennen. Ein Blick in den Grundbuchauszug, den Bauakt oder die Abrechnungen der Hausverwaltung kann deshalb entscheidend sein.

Warum die Prüfung vor dem Kauf so wichtig ist

Beim Immobilienkauf geht es meist um einen hohen Betrag und eine langfristige Verpflichtung. Trotzdem konzentrieren sich viele Interessenten zunächst auf sichtbare Eigenschaften: Raumaufteilung, Ausstattung, Garten, Balkon oder Ausblick. Rechtliche und wirtschaftliche Risiken stecken dagegen häufig in Dokumenten, die erst auf Nachfrage vorgelegt werden.

Nimm dir daher ausreichend Zeit und verlange vollständige, aktuelle Unterlagen. Werden wichtige Dokumente trotz mehrmaliger Nachfrage nicht bereitgestellt, solltest du besonders vorsichtig sein. Das gilt auch dann, wenn mit zahlreichen weiteren Interessenten oder einer angeblich sehr kurzen Entscheidungsfrist Druck aufgebaut wird.

1. Aktueller Grundbuchauszug

Der Grundbuchauszug gehört zu den wichtigsten Unterlagen bei jedem Immobilienkauf in Österreich. Er dokumentiert, wem die Liegenschaft gehört und welche eingetragenen Rechte oder Belastungen bestehen. Verlasse dich dabei nicht ausschließlich auf einen älteren Auszug aus dem Exposé, sondern lass möglichst kurz vor Vertragsabschluss einen aktuellen Grundbuchstand prüfen.

Eine Grundbuchseinlage gliedert sich in mehrere Bereiche:

  1. A-Blatt: Hier findest du Angaben zur Liegenschaft, darunter Grundstücksnummern, Flächen und Nutzungsarten. Im A2-Blatt können außerdem mit der Liegenschaft verbundene Rechte und öffentlich-rechtliche Beschränkungen eingetragen sein.
  2. B-Blatt: Dieser Abschnitt zeigt die Eigentumsverhältnisse und bei mehreren Eigentümern die jeweiligen Anteile.
  3. C-Blatt: Hier stehen Belastungen wie Pfandrechte, Wohnrechte, Wegerechte, Veräußerungsverbote oder Vor- und Wiederkaufsrechte.

Bei eingetragenen Belastungen muss geklärt werden, ob sie übernommen oder im Zuge der Kaufabwicklung gelöscht werden. Eine Hypothek bedeutet zwar nicht automatisch, dass die eingetragene Summe noch vollständig offen ist. Ihre ordnungsgemäße Löschung beziehungsweise die vertraglich geregelte Lastenfreistellung ist dennoch wesentlich.

Achte auch auf eine sogenannte Plombe. Sie weist darauf hin, dass ein Grundbuchsantrag eingelangt ist, der noch nicht vollständig bearbeitet wurde. Welche Änderung dahintersteht, sollte vor einer verbindlichen Entscheidung geklärt werden.

2. Bauakt, genehmigte Pläne und Benützungsbewilligungen

Der tatsächliche Zustand einer Immobilie stimmt nicht immer mit dem behördlich genehmigten Zustand überein. Deshalb solltest du den Bauakt und die bewilligten Pläne mit der Immobilie vergleichen. Das ist besonders wichtig bei ausgebauten Dachgeschoßen, nachträglich errichteten Wintergärten, zusammengelegten Räumen, veränderten Grundrissen oder umgebauten Kellern und Garagen.

Prüfe unter anderem, ob:

  1. das Gebäude und wesentliche Zu- oder Umbauten baubehördlich bewilligt wurden,
  2. die tatsächliche Raumaufteilung mit den genehmigten Plänen übereinstimmt,
  3. die angegebene Nutzung der Räume zulässig ist,
  4. erforderliche Fertigstellungsanzeigen oder Benützungsbewilligungen vorhanden sind,
  5. offene behördliche Aufträge oder bekannte Baugebrechen bestehen.

Eine Fläche kann optisch wie vollwertiger Wohnraum wirken, ohne rechtlich als solcher genehmigt zu sein. Das kann spätere Umbauten, eine Finanzierung, die Versicherung oder den Wiederverkauf erschweren. Bei Unklarheiten sollte eine fachkundige Person den Bauakt und den tatsächlichen Bestand prüfen.

3. Flächenwidmungs- und Bebauungsplan

Vor allem beim Kauf eines Hauses oder Grundstücks lohnt sich ein Blick in den Flächenwidmungs- und Bebauungsplan der Gemeinde. Daraus geht hervor, wie die Liegenschaft genutzt und in welchem Umfang sie bebaut werden darf. Bestehende Gebäude bedeuten nicht automatisch, dass jede gewünschte Erweiterung möglich ist.

Wenn du später anbauen, ein Nebengebäude errichten oder das Dach ausbauen möchtest, solltest du dein Vorhaben bereits vor dem Kauf mit den geltenden Bestimmungen abgleichen. Informiere dich außerdem über geplante Veränderungen in der Umgebung. Künftige Straßen, größere Bauprojekte oder eine geänderte Nutzung benachbarter Flächen können Wohnqualität und Immobilienwert beeinflussen.

4. Energieausweis und bisherige Verbrauchsdaten

Beim Verkauf eines Hauses oder einer Wohnung muss grundsätzlich ein Energieausweis vorgelegt und ausgehändigt werden. Er liefert wichtige Kennzahlen zur energetischen Qualität des Gebäudes. Kontrolliere, für welches Gebäude beziehungsweise Objekt der Ausweis erstellt wurde und ob er noch gültig ist.

Der Energieausweis ist allerdings keine Garantie für eine bestimmte Heizkostenhöhe. Der tatsächliche Verbrauch hängt auch vom Nutzungsverhalten, von der Raumtemperatur und von den jeweiligen Wetterbedingungen ab. Lass dir deshalb zusätzlich Heizkostenabrechnungen oder Verbrauchsdaten der vergangenen Jahre zeigen.

Bei auffällig ungünstigen Werten solltest du prüfen, welche Sanierungen notwendig wären. Alte Fenster, eine ungedämmte Gebäudehülle oder ein veraltetes Heizsystem können erhebliche Folgekosten verursachen.

5. Betriebskosten und laufende Zahlungen

Der Kaufpreis allein sagt wenig darüber aus, ob eine Immobilie dauerhaft leistbar ist. Verlange deshalb eine nachvollziehbare Aufstellung der laufenden Kosten. Bei einer Eigentumswohnung sollten zumindest die aktuellen monatlichen Vorschreibungen und die Jahresabrechnungen der letzten Jahre vorliegen.

Relevant sind unter anderem:

  1. Betriebskosten und Verwaltungshonorar,
  2. Heiz- und Warmwasserkosten,
  3. Beiträge zur Rücklage,
  4. Versicherungsprämien,
  5. Kosten für Lift, Garage oder Gemeinschaftsanlagen,
  6. laufende Darlehenszahlungen der Eigentümergemeinschaft,
  7. außerordentliche Vorschreibungen und Nachzahlungen.

Vergleiche nicht nur die Gesamtsumme. Hohe laufende Kosten können unterschiedliche Ursachen haben. Umgekehrt sind sehr niedrige Beiträge nicht automatisch positiv: Wurden notwendige Arbeiten jahrelang aufgeschoben, können später hohe Sonderzahlungen folgen.

6. Rücklage, Vorausschau und geplante Sanierungen

Beim Kauf einer Eigentumswohnung erwirbst du nicht nur die Wohnung, sondern wirst Teil der Eigentümergemeinschaft. Damit beteiligst du dich auch an den Kosten für allgemeine Gebäudeteile wie Dach, Fassade, Leitungen, Lift oder Heizungsanlage.

Lass dir den aktuellen Stand der Rücklage, die jährlichen Abrechnungen und die Vorausschau der Hausverwaltung zeigen. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Geld vorhanden ist. Der Betrag muss zum Alter, Zustand und bevorstehenden Sanierungsbedarf des Hauses passen.

Prüfe außerdem, ob größere Arbeiten beschlossen, angeboten oder bereits beauftragt wurden. Eine geplante Fassaden-, Dach- oder Liftsanierung kann trotz vorhandener Rücklage zu erheblichen zusätzlichen Zahlungen führen. Bestehen Darlehen der Eigentümergemeinschaft, solltest du auch deren Restschuld und laufende Belastung kennen.

7. Protokolle der Eigentümerversammlungen

Die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen vermitteln oft ein realistischeres Bild als das Verkaufsexposé. Idealerweise siehst du mehrere Jahre durch. Darin finden sich Hinweise auf wiederkehrende Schäden, geplante Investitionen, Streitigkeiten und bereits diskutierte Kosten.

Achte besonders auf Themen wie Feuchtigkeit, undichte Dächer, Probleme mit der Heizung, defekte Leitungen, Fassadenschäden oder Beschwerden über Lärm. Auch wiederholt vertagte Sanierungsbeschlüsse können auf einen Investitionsstau hindeuten.

8. Wohnungseigentumsvertrag, Nutzwertgutachten und Verwaltervertrag

Bei Eigentumswohnungen solltest du den Wohnungseigentumsvertrag vollständig lesen. Er regelt Rechte und Pflichten innerhalb der Eigentümergemeinschaft und kann Vorgaben zur Nutzung, zu Veränderungen an der Wohnung oder zu allgemeinen Flächen enthalten.

Das Nutzwertgutachten zeigt, wie die einzelnen Wohnungseigentumsobjekte bewertet und die Miteigentumsanteile ermittelt wurden. Prüfe, ob Kellerabteil, Garage, Stellplatz, Gartenfläche oder Terrasse der Wohnung tatsächlich rechtlich zugeordnet sind. Eine mündliche Zusage oder langjährige Nutzung ersetzt keine eindeutige rechtliche Zuordnung.

Auch der Verwaltervertrag ist relevant. Er gibt Aufschluss über Aufgaben, Kosten und Befugnisse der Hausverwaltung. Zusätzlich solltest du nach laufenden Gerichtsverfahren oder Konflikten innerhalb der Eigentümergemeinschaft fragen.

9. Technische Gutachten und Nachweise zum Gebäudezustand

Verkaufsunterlagen ersetzen keine technische Prüfung. Gerade bei älteren Immobilien kann ein unabhängiger Bausachverständiger Mängel erkennen, die bei einer normalen Besichtigung verborgen bleiben. Dazu gehören Feuchtigkeit, Risse, Probleme am Dach, veraltete Elektroinstallationen oder Schäden an Leitungen.

Bitte außerdem um vorhandene Prüfberichte, Wartungsnachweise und Rechnungen zu größeren Sanierungen. Bei Heizungsanlagen, Kaminen, Aufzügen oder technischen Gemeinschaftseinrichtungen können diese Unterlagen wertvolle Hinweise auf Zustand und Wartung geben.

10. Risiken durch Hochwasser, Altlasten und Grundstücksgrenzen

Bei Häusern und Grundstücken solltest du mögliche Umweltrisiken gesondert prüfen. Dazu gehören Hochwassergefahren, Hangwasser, Rutschungen oder frühere gewerbliche Nutzungen. Seit 2025 gibt es in Österreich zwar keinen Verdachtsflächenkataster in der früheren Form mehr. Über das Altlastenportal können jedoch weiterhin veröffentlichte Altablagerungen, Altstandorte und Altlasten gesucht werden.

Vergleiche außerdem Grundbuch, Kataster und tatsächliche Grundstückssituation. Zäune, Einfahrten oder Nebengebäude verlaufen nicht zwingend exakt entlang der rechtlichen Grenze. Wenn der Grenzverlauf für die Nutzung oder ein Bauvorhaben wichtig ist, kann eine Vermessung sinnvoll sein.

11. Mietverträge und bestehende Nutzungsrechte

Ist die Immobilie vermietet oder wird ein Teil davon von anderen Personen genutzt, musst du die entsprechenden Verträge kennen. Lass dir sämtliche Miet-, Pacht- und sonstigen Nutzungsvereinbarungen vorlegen. Prüfe Laufzeit, Mietzins, Kaution, Kündigungsmöglichkeiten und offene Forderungen.

Verlasse dich nicht auf die bloße Aussage, dass eine Wohnung bis zur Übergabe frei werde. Die geräumte Übergabe sollte klar im Kaufvertrag geregelt sein. Auch nicht im Grundbuch eingetragene Vereinbarungen können praktische oder rechtliche Fragen auslösen und gehören daher vorab geklärt.

12. Kaufanbot und Kaufvertragsentwurf

Ein Kaufanbot ist keine unverbindliche Reservierung. Je nach Formulierung kann daraus bereits eine bindende Verpflichtung entstehen. Unterschreibe daher auch ein vermeintlich kurzes Standardformular erst, wenn Kaufpreis, Finanzierung und wesentliche Unterlagen geprüft sind.

Sinnvolle Bedingungen können beispielsweise die Finanzierungszusage, ein zufriedenstellendes Ergebnis der rechtlichen Prüfung oder die Vorlage bestimmter Dokumente betreffen. Im späteren Kaufvertrag sollten unter anderem Kaufgegenstand, Zubehör, Zahlungsabwicklung, Übergabetermin, Lastenfreistellung, Gewährleistung und die Verteilung laufender Kosten eindeutig geregelt sein.

Bei der Vertragsabwicklung ist eine treuhändige Zahlung üblich. Dabei wird der Kaufpreis erst ausbezahlt, wenn die vereinbarten Voraussetzungen erfüllt sind. Lass das Kaufanbot und den Kaufvertrag von einer unabhängigen rechtskundigen Person prüfen, die deine Interessen vertritt.

Praktische Checkliste vor der Unterschrift

  1. aktuellen Grundbuchauszug samt möglicher Plombe prüfen
  2. Urkunden zu wichtigen Grundbucheintragungen einsehen
  3. Bauakt und genehmigte Pläne mit dem Bestand vergleichen
  4. Flächenwidmung und Bebauungsmöglichkeiten klären
  5. gültigen Energieausweis und Verbrauchsdaten verlangen
  6. Betriebskostenabrechnungen und aktuelle Vorschreibungen prüfen
  7. Stand der Rücklage und gemeinschaftliche Darlehen feststellen
  8. Vorausschau und geplante Sanierungen einsehen
  9. Protokolle mehrerer Eigentümerversammlungen lesen
  10. Wohnungseigentumsvertrag und Nutzwertgutachten prüfen
  11. bestehende Miet- und Nutzungsverträge abklären
  12. Kaufanbot und Kaufvertrag rechtlich kontrollieren lassen

Fazit: Gute Unterlagen schützen vor teuren Überraschungen

Eine attraktive Besichtigung ist ein guter Anfang, reicht für eine sichere Kaufentscheidung aber nicht aus. Erst die vollständigen Unterlagen zeigen, was du rechtlich erwirbst und welche finanziellen Verpflichtungen damit verbunden sind.

Besonders aufmerksam solltest du werden, wenn Dokumente fehlen, Angaben einander widersprechen oder eine schnelle Unterschrift verlangt wird. Ein zusätzlicher Prüfschritt kostet Zeit und manchmal auch Geld. Verglichen mit einer ungeplanten Sanierung, einer nicht genehmigten Wohnfläche oder einer übersehenen Belastung ist dieser Aufwand jedoch gering.

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