Die Stadt Salzburg hat einen neuen strategischen Rahmen für ihre Wohnungspolitik beschlossen. Der Gemeinderat nahm das „Wohnleitbild 2040“ am 16. September 2026 mehrheitlich an. Das 46-seitige Dokument bündelt 80 Vorhaben in elf Handlungsfeldern – von Leistbarkeit und Wohnbedarfen über Bodenpolitik und Bestandsentwicklung bis zu Mobilität, Innovation und der Eindämmung von Fehlnutzungen. Für Sie als Wohnungssuchende, Mietende oder Eigentümerin beziehungsweise Eigentümer bedeutet der Beschluss noch keine sofortige Änderung einzelner Regeln. Er legt aber fest, in welche Richtung die Stadt ihre Maßnahmen entwickeln will.
Ein Leitbild mit 80 Vorhaben
Das Wohnleitbild ersetzt einen mehr als zwanzig Jahre alten strategischen Rahmen. Nach Angaben der Stadt wurde es über zehn Monate erarbeitet. In Workshops waren soziale Organisationen, Stadtverwaltung, gemeinnützige und gewerbliche Bauträger sowie Hausverwaltungen und Hausbetreuungen eingebunden. An einer Onlinebefragung im Mai und Juni 2026 nahmen 1.220 Menschen teil. Der Gemeinderat beschloss das Papier mit den Stimmen von SPÖ, KPÖ und Bürgerliste; ÖVP, FPÖ, Liste SALZ und NEOS stimmten dagegen.
Die elf Themenfelder behandeln Wohnbedarfe, Leistbarkeit, Wohngerechtigkeit, Wohnzufriedenheit, Bodenpolitik, intelligentes Planen, den Umgang mit dem Bestand, Wohnen im Quartier, Wohnen und Mobilität, Innovation im Wohnbau sowie Fehlnutzungen. Die Stadt bekennt sich im Dokument zur Umsetzung der Vorhaben. Das ist politisch relevant, ersetzt aber keine Einzelbeschlüsse, Budgets, Widmungsverfahren oder bundesgesetzlichen Änderungen.
Geförderter Mietwohnbau soll Vorrang haben
Ein zentraler Schwerpunkt ist der geförderte und gemeinnützige Mietwohnbau. Die Stadt will die zuletzt niedrige Neubauleistung erhöhen und Projektabläufe beschleunigen. Laut Gemeinderatsbericht sollen bis 2050 rund 12.000 zusätzliche Wohnungen entstehen. Diese Zahl ist ein langfristiges Ziel, keine bereits finanzierte oder baureife Projektliste. Bei konkreten Bauvorhaben bleiben Standort, Widmung, Finanzierung, Genehmigungen und Zeitplan gesondert zu prüfen.
Das Leitbild bezeichnet unbefristete Mietverträge im geförderten Wohnbau als hohen Standard. Außerdem will die Stadt über geltende Mietzinsobergrenzen informieren und ihren Kautionsfonds regelmäßig an den Bedarf anpassen. Für besonders teure Wohnungen, bei denen die Stadt Vergaberechte hat, ist ein Monitoring vorgesehen. Die Stadt verfügt nach eigenen Angaben über Vergaberechte für mehr als 12.000 Wohnungen. Daraus folgt jedoch kein unmittelbarer Anspruch auf eine bestimmte Wohnung; maßgeblich bleiben die jeweiligen Vergabekriterien.
Bestand und laufende Kosten rücken stärker in den Fokus
Neben dem Neubau soll der vorhandene Wohnungsbestand mehr Aufmerksamkeit erhalten. Geplant sind unter anderem die Fortsetzung der Sanierung städtischer Wohnungen, Verbesserungen bei Liften, Balkonen und Grünflächen sowie mehr Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner. Auch Hausbesorgerinnen und Hausbesorger sollen in städtischen Wohnanlagen wieder stärker eingesetzt werden. Wie schnell diese Vorhaben umgesetzt werden, hängt von konkreten Projekten und finanziellen Entscheidungen ab.
Besonders wichtig ist der Blick auf Betriebs- und Energiekosten. Das Leitbild sieht vor, laufende Kosten schon bei Planung und Errichtung über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes mitzudenken. Beratungsangebote wie Betriebskostenchecks sollen unterstützt werden. Bei gemischt genutzten Gebäuden will die Stadt darauf achten, dass Bewohnerinnen und Bewohner durch die Form der Betriebskostenabrechnung nicht benachteiligt werden. Für bestehende Mietverhältnisse ändert das Leitbild allein allerdings keine Abrechnungsvorschriften.
Wohnungswechsel und besondere Bedarfe
Die Stadt will den Wohnbedarf regelmäßig erheben und spezielle Bedürfnisse genauer erfassen. Genannt werden unter anderem wohnungslose oder psychisch erkrankte Menschen, Frauen in Notlagen, junge Erwachsene und Familien. Für ältere Menschen, die aus einer zu großen in eine kleinere Wohnung wechseln möchten, sollen Information, Beratung und Umzugshilfen entwickelt werden. Geplant sind außerdem Pilotprojekte für gemeinschaftliches Wohnen, Angebote für Alleinerziehende sowie mehr gemeinnützige Heimplätze, Start- und Übergangswohnungen für junge Menschen.
Was noch offen ist
Ein Teil der Ziele liegt nicht allein in der Zuständigkeit der Stadt. Ein allgemeiner Mietendeckel würde Änderungen auf Bundesebene voraussetzen. Auch strengere Regeln gegen Leerstand, Ferienwohnungen, Kurzzeitvermietung oder andere Zweckentfremdungen benötigen klare rechtliche Grundlagen und Vollzugsmöglichkeiten. Im Gemeinderat gab es zudem Kritik: Oppositionsparteien forderten unter anderem mehr Gewicht für Eigentum und Mietkauf, eine stärkere Einbindung privater Bauträger oder raschere Bauimpulse.
Für Ihre Entscheidungen ist daher die Trennung zwischen Strategie und konkretem Angebot entscheidend. Das Wohnleitbild zeigt, welche Instrumente die Stadt verfolgen will. Verbindlich werden einzelne Förderungen, Vergaberegeln, Bauvorhaben oder Kontrollen aber erst durch weitere Beschlüsse und Umsetzungen. Die Stadt hat angekündigt, jährlich über Fortschritte zu berichten. Diese Berichte werden zeigen, welche der 80 Vorhaben tatsächlich gestartet, finanziert und abgeschlossen werden.