News 19.09.2026 5 min Lesezeit

Drei Wiener Gemeindebauten nach Sanierungen energieeffizienter

Wiener Wohnen hat die Ergebnisse von drei sanierten Wohnhausanlagen mit insgesamt 93 Wohnungen vorgestellt. Besonders deutlich fallen die rechnerischen Verbesserungen beim Heizwärmebedarf aus. Was die Kennwerte aussagen – und was nicht.

Ö
Österreich.Immobilien Redaktion Redaktion · Oesterreich.Immobilien
Drei Wiener Gemeindebauten nach Sanierungen energieeffizienter Dieses Symbolfoto ist unter Einsatz künstlicher Intelligenz entstanden.
Podcast zum Artikel 3,3 MB

Wiener Wohnen hat am 18. September 2026 die Ergebnisse von drei abgeschlossenen Sanierungsprojekten in der Leopoldstadt, in Rudolfsheim-Fünfhaus und in Liesing vorgestellt. Zusammen umfassen die Wohnhausanlagen 93 Gemeindewohnungen. Im Mittelpunkt standen Verbesserungen an Gebäudehülle und Haustechnik, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen sowie ein deutlich geringerer rechnerischer Heizwärmebedarf. Für Bewohnerinnen und Bewohner sind diese Werte ein wichtiger Hinweis auf die energetische Qualität des Hauses. Sie sind allerdings keine Garantie dafür, wie hoch die persönliche Heizkostenabrechnung ausfällt.

Drei Häuser, drei unterschiedliche Ausgangslagen

Die drei Projekte zeigen, wie unterschiedlich die Aufgaben bei der Sanierung kommunaler Wohnbauten sein können. Die Harkortstraße 3 im 2. Bezirk ist eine denkmalgeschützte Anlage aus den Jahren 1925 bis 1927. Die Oelweingasse 6–8 im 15. Bezirk stammt aus den Jahren 1973 und 1974. Der Hans-Weber-Hof in der Nowakgasse 1–11 im 23. Bezirk wurde 1959 und 1960 errichtet. Entsprechend verschieden waren die baulichen Schwerpunkte.

Wiener Wohnen präsentierte die Ergebnisse am 18. September in drei getrennten Aussendungen. Die offiziellen Projektseiten nennen für die eigentlichen Sanierungsarbeiten Zeiträume bis 2024 beziehungsweise 2025. Die aktuelle Nachricht ist daher vor allem als gebündelte Veröffentlichung der erreichten Maßnahmen und Kennwerte zu verstehen, nicht als Behauptung, sämtliche Bauarbeiten seien erst am 18. September 2026 beendet worden.

Denkmalschutz in der Harkortstraße 3

Die Harkortstraße 3 umfasst eine Stiege und 14 Wohnungen. Wegen des Denkmalschutzes musste die energetische Verbesserung mit dem historischen Erscheinungsbild abgestimmt werden. Laut Wiener Wohnen wurde die Straßenfassade instand gesetzt, während die Hoffassade eine Wärmedämmung erhielt. Die historischen Holzkastenfenster auf der Straßenseite wurden saniert, hofseitig kamen neue Holz-Alu-Fenster zum Einsatz.

Darüber hinaus wurden unter anderem Dachdeckung und Dachstuhl, die oberste Geschoßdecke, die Kellerdecke, Balkone sowie Teile der Sicherheits- und Brandschutzausstattung bearbeitet. Der rechnerische Heizwärmebedarf sank nach Angaben von Wiener Wohnen von 126 auf 62 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Das entspricht einer Verringerung um rund 51 Prozent. Das Beispiel ist besonders relevant, weil es zeigt, dass auch bei geschützter Bausubstanz energetische Verbesserungen möglich sind, ohne die historische Straßenansicht vollständig zu verändern.

Oelweingasse: Heizwärmebedarf um rund zwei Drittel reduziert

Die Anlage in der Oelweingasse 6–8 besitzt zwei Stiegen und 26 Wohnungen. Saniert wurden laut Projektbeschreibung Dach, Terrassen, Fassade sowie oberste und unterste Geschoßdecke. Hinzu kamen neue Fenster, Wohnungs- und Stiegenhaustüren sowie Arbeiten an Gegensprechanlage, Blitzschutz, Garagentoren, Schächten und Satellitenanlagen.

Hier weist Wiener Wohnen einen Rückgang des Heizwärmebedarfs von 77 auf 26 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr aus. Rechnerisch ergibt das eine Reduktion um rund 67 Prozent. Für Sie als Mieterin oder Mieter bedeutet ein niedrigerer Heizwärmebedarf zunächst, dass das Gebäude unter standardisierten Bedingungen weniger Wärmeenergie benötigt. Der tatsächliche Verbrauch hängt zusätzlich von Raumtemperatur, Lüftungsverhalten, Wetter, Wohnungsposition, Heizsystem und Energiepreis ab. Eine direkte, für jeden Haushalt identische Heizkostenersparnis lässt sich aus dem Kennwert daher nicht ableiten.

Hans-Weber-Hof: Energieeffizienz und barrierefreie Zugänge

Der Hans-Weber-Hof in der Nowakgasse 1–11 ist mit sieben Stiegen und 53 Wohnungen das größte der drei präsentierten Projekte. Ein Schwerpunkt lag auf der barrierefreien Erschließung der Stiegenhäuser. Zusätzlich nennt Wiener Wohnen die Dämmung von Fassaden, oberster Geschoßdecke und Kellerdecke, Arbeiten an Dach, Strom- und Wasserleitungen sowie Hauskanal, neue Türen, LED-Beleuchtung und eine modernisierte Brandschutzausstattung.

Der Heizwärmebedarf soll von 212 auf 58 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr gesunken sein. Das entspricht einer Reduktion um rund 73 Prozent. Gerade der hohe Ausgangswert macht deutlich, welches Potenzial ältere, bislang energetisch schwache Gebäude bieten können. Zugleich bleibt der neue Wert höher als in der Oelweingasse. Ein Vergleich einzelner Häuser ist nur eingeschränkt sinnvoll, weil Bauform, Alter, Denkmalschutz, Oberfläche, technische Systeme und mögliche Maßnahmen unterschiedlich sind.

Was die Zahlen für Bewohnerinnen und Bewohner bedeuten

Der Heizwärmebedarf ist eine Rechengröße aus dem Energieausweis. Er beschreibt, wie viel Wärme ein Gebäude unter festgelegten Bedingungen benötigt, um eine bestimmte Innentemperatur zu halten. Er ist für die Beurteilung der Gebäudehülle nützlich, ersetzt aber keine Abrechnung und keine Messung in Ihrer Wohnung. Wenn Sie in einer sanierten Anlage leben, sollten Sie deshalb Energieausweis, Informationen zum Heizsystem und Ihre eigenen Verbrauchswerte getrennt betrachten.

Neben Energiefragen können Sanierungen den Alltag auch durch dichtere Fenster, modernisierte Allgemeinbereiche, besseren Brandschutz oder barriereärmere Zugänge verändern. Neue Fenster machen allerdings ein angepasstes Lüftungsverhalten besonders wichtig. Regelmäßiges Stoßlüften und eine kontrollierte Raumfeuchte helfen, Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Bei Fragen zu konkreten Arbeiten, Gewährleistung oder Betriebskosten bleibt die Hausverwaltung die maßgebliche Anlaufstelle.

Teil einer größeren Wiener Sanierungsoffensive

Wiener Wohnen beziffert das aktuelle Investitionsvolumen für die Modernisierung von rund 100 Wohnhausanlagen mit knapp 16.000 Wohnungen auf 1,37 Milliarden Euro. Nach Angaben des Unternehmens wurden seit 2020 insgesamt 91 Sanierungen fertiggestellt. Davon sollen 10.453 Wohnungen und mehr als 26.000 Bewohnerinnen und Bewohner profitieren. Diese Gesamtzahlen stammen vom Eigentümer und Projektträger selbst; sie beschreiben das Programm, sind aber keine unabhängige Wirkungsprüfung.

Für die weitere Einordnung wird entscheidend sein, wie sich die rechnerischen Verbesserungen im laufenden Betrieb zeigen und welche Sanierungen als Nächstes abgeschlossen werden. Für Sie bleibt vor allem wichtig, zwischen Gebäudeindikatoren und der individuellen Rechnung zu unterscheiden: Eine bessere Hülle senkt den Wärmebedarf, während die tatsächlichen Kosten zusätzlich vom eigenen Verbrauch und von den Energiepreisen abhängen.


Alle News