Der Traum vom Eigenheim gehört für viele Menschen in Österreich weiterhin zur persönlichen Lebensplanung. Tatsächlich wohnen jedoch immer weniger Haushalte in den eigenen vier Wänden. Eine aktuelle Analyse der Wiener Städtischen Versicherung auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt: Die Eigentumsquote ist österreichweit auf 47,3 Prozent gesunken. Damit befindet sie sich auf dem niedrigsten Stand seit rund 20 Jahren.
Zum Vergleich: Im Jahr 2005 lebte noch mehr als die Hälfte der österreichischen Haushalte im Eigentum. Seither hat sich das Verhältnis schrittweise verschoben. Während Häuser und Eigentumswohnungen vor allem außerhalb größerer Städte weiterhin eine bedeutende Rolle spielen, ist Wohneigentum in urbanen Regionen deutlich seltener.
Weniger als jeder zweite Haushalt lebt im Eigentum
Die Entwicklung macht deutlich, wie sehr sich der österreichische Wohnungsmarkt innerhalb von zwei Jahrzehnten verändert hat. Mit einer Eigentumsquote von 47,3 Prozent liegt Österreich mittlerweile klar unter der 50-Prozent-Marke. Nach Einschätzung der Wiener Städtischen spielen dabei unter anderem die hohen Immobilienpreise und die gestiegenen Finanzierungskosten der vergangenen Jahre eine Rolle.
Gerade für Haushalte, die erstmals eine Immobilie erwerben möchten, stellt die Finanzierung eines Hauses oder einer Eigentumswohnung eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. Neben dem eigentlichen Kaufpreis müssen Eigenmittel, Kreditkosten sowie zahlreiche Kaufnebenkosten berücksichtigt werden. Das kann den Einstieg in Wohneigentum insbesondere für jüngere Haushalte erschweren.
Wie unterschiedlich die Situation innerhalb Österreichs tatsächlich ist, zeigt allerdings erst der Blick auf die einzelnen Bundesländer.
Burgenland bleibt Österreichs Eigentumsland Nummer eins
Zwischen Stadt und Land bestehen bei der Eigentumsquote enorme Unterschiede. Den höchsten Anteil verzeichnet laut der von der Wiener Städtischen veröffentlichten Analyse weiterhin das Burgenland mit 66,5 Prozent. Rund zwei Drittel der dortigen Haushalte wohnen damit im Eigentum.
Auf den weiteren Plätzen folgen Niederösterreich mit 61,4 Prozent, die Steiermark mit 55,7 Prozent und Vorarlberg mit 55,5 Prozent. Damit befinden sich diese Bundesländer weiterhin deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt.
Die Zahlen spiegeln auch die unterschiedliche Siedlungsstruktur wider. In ländlich geprägten Regionen spielen Einfamilienhäuser und kleinere Wohngebäude traditionell eine wesentlich größere Rolle als in dicht besiedelten Städten.
Wien kommt nur auf 19,3 Prozent Eigentumsquote
Besonders deutlich wird das Stadt-Land-Gefälle in Wien. In der Bundeshauptstadt beträgt die Eigentumsquote lediglich 19,3 Prozent. Damit liegt Wien mit großem Abstand am Ende des Bundesländer-Rankings.
Das ist allerdings nicht nur eine Frage der Immobilienpreise. Wien verfügt traditionell über einen besonders großen Mietwohnungsmarkt. Neben privaten Mietwohnungen spielen vor allem Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen eine wichtige Rolle. Wohnen zur Miete ist deshalb in der Hauptstadt wesentlich stärker verbreitet als in den übrigen Bundesländern.
Die Unterschiede zwischen Wien und dem Burgenland könnten kaum größer sein: Während im Burgenland etwa zwei Drittel der Haushalte im Eigentum leben, ist es in Wien nicht einmal jeder fünfte.
Kärnten verzeichnet den stärksten Rückgang
Nicht in allen Bundesländern entwickelt sich die Eigentumsquote im gleichen Tempo. Den stärksten Rückgang gegenüber dem Vorjahr verzeichnet Kärnten. Dort sank der Eigentumsanteil laut Analyse um 2,5 Prozentpunkte auf 53,1 Prozent.
Auch in Niederösterreich ging die Quote zurück. Das Minus beträgt 1,6 Prozentpunkte. Im Burgenland verringerte sich der Eigentumsanteil um 0,9 Prozentpunkte, wenngleich das Bundesland weiterhin klar an der Spitze liegt.
Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich hingegen im Westen Österreichs. In Vorarlberg erhöhte sich die Eigentumsquote um 0,3 Prozentpunkte, in Tirol sogar um 0,8 Prozentpunkte. Der österreichweite Rückgang zeigt sich damit regional keineswegs einheitlich.
Wohnungen und Häuser werden gleichzeitig größer
Während der Anteil der Eigentümer zurückgeht, zeigt ein anderer Wohntrend weiterhin nach oben: Die durchschnittliche Wohnfläche nimmt zu. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Wohnfläche einer Wohnung in Österreich laut Statistik Austria bei 102,2 Quadratmetern. Vor rund 20 Jahren waren es noch knapp sechs Quadratmeter weniger.
Auch bei der Wohnfläche zeigen sich beträchtliche regionale Unterschiede. Erneut liegt das Burgenland an erster Stelle. Dort kommen Wohnungen und Häuser durchschnittlich auf 124,9 Quadratmeter. Niederösterreich folgt mit 119,1 Quadratmetern, Oberösterreich mit 112,4 Quadratmetern.
Am anderen Ende der Statistik steht wiederum Wien. In der Bundeshauptstadt beträgt die durchschnittliche Wohnfläche lediglich 75,4 Quadratmeter. Das entspricht fast 50 Quadratmetern weniger als im Burgenland.
Immer mehr Menschen in Österreich leben allein
Neben Eigentumsquote und Wohnfläche verändert sich auch die Zusammensetzung der österreichischen Haushalte. Einpersonenhaushalte gewinnen seit Jahren an Bedeutung. Im Jahr 2025 entfielen bereits 39,1 Prozent der Haushalte auf alleinlebende Personen. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht.
Für den Wohnungsmarkt ist diese Entwicklung von großer Bedeutung. Wenn mehr Menschen allein leben, steigt der Bedarf an Wohnungen, obwohl die Bevölkerung nicht im selben Verhältnis wachsen muss. Gleichzeitig unterscheiden sich die Anforderungen eines Einpersonenhaushalts deutlich von jenen einer Familie mit mehreren Kindern.
Besonders ausgeprägt ist der Trend wiederum in Wien. Dort bestehen bereits 45,5 Prozent aller Haushalte aus nur einer Person. Dahinter folgen Kärnten, die Steiermark und Tirol. Das Burgenland weist mit 34,5 Prozent den geringsten Anteil an Einpersonenhaushalten auf.
Wien und Burgenland zeigen zwei völlig unterschiedliche Wohnrealitäten
Die Zahlen verdeutlichen, wie unterschiedlich Wohnen in Österreich sein kann. Auf der einen Seite steht das Burgenland: hohe Eigentumsquote, große durchschnittliche Wohnfläche und vergleichsweise wenige Einpersonenhaushalte. Auf der anderen Seite steht Wien mit einer sehr niedrigen Eigentumsquote, kleineren Wohnungen und einem besonders hohen Anteil alleinlebender Personen.
Dazwischen liegen zahlreiche regionale Abstufungen. Die österreichische Wohnsituation lässt sich deshalb kaum mit einem einzigen Durchschnittswert beschreiben. Ob Menschen zur Miete oder im Eigentum wohnen, wie viel Wohnfläche ihnen zur Verfügung steht und wie groß ein Haushalt ist, hängt stark vom jeweiligen Wohnort ab.
Was die sinkende Eigentumsquote für den Immobilienmarkt bedeutet
Für den Immobilienmarkt ist vor allem die langfristige Entwicklung interessant. Dass weniger als die Hälfte der österreichischen Haushalte im Eigentum lebt, bedeutet nicht automatisch, dass das Interesse am Eigenheim verschwindet. Vielmehr treffen Eigentumswünsche auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Hohe Kaufpreise, notwendige Eigenmittel und Finanzierungskosten können dazu führen, dass Haushalte einen geplanten Immobilienkauf aufschieben oder sich dauerhaft für eine Mietwohnung entscheiden. Gleichzeitig bleibt die Situation regional sehr unterschiedlich. Wo Grundstücke und Häuser stärker zum traditionellen Wohnangebot gehören, liegt die Eigentumsquote weiterhin deutlich höher.
Auch für bestehende Immobilieneigentümer rückt ein anderer Aspekt in den Mittelpunkt: Mit steigenden Immobilienwerten und höheren Kosten für Einrichtung, Haustechnik und Wiederbeschaffung kann es sinnvoll sein, den bestehenden Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen. Darauf weist auch die Wiener Städtische im Rahmen ihrer veröffentlichten Analyse hin.
Österreichs Wohnlandschaft befindet sich im Wandel
Die aktuellen Zahlen zeigen insgesamt eine klare Verschiebung der Wohnrealität in Österreich: Weniger Haushalte leben im Eigentum, die durchschnittliche Wohnfläche steigt und gleichzeitig gibt es immer mehr Einpersonenhaushalte.
Besonders auffällig bleiben die großen regionalen Unterschiede. Während Eigentum im Burgenland und in Niederösterreich für einen Großteil der Bevölkerung zum normalen Wohnmodell gehört, dominiert in Wien eindeutig die Miete.
Ob sich die Eigentumsquote in den kommenden Jahren wieder stabilisiert oder weiter zurückgeht, wird wesentlich davon abhängen, wie sich Immobilienpreise, Finanzierungsmöglichkeiten und das verfügbare Einkommen der Haushalte entwickeln. Der aktuelle Wert von 47,3 Prozent zeigt jedenfalls, dass der Zugang zu den eigenen vier Wänden für einen wachsenden Teil der Bevölkerung zu einer größeren Herausforderung geworden ist.
Quelle: Wiener Städtische Versicherung AG / APA-OTS, veröffentlicht am 4. August 2026. Datenbasis: Statistik Austria.